Sie sind hier: Aktuelles » 

WIR BRAUCHEN DICH, UM HELFEN ZU KÖNNEN.

Kontakt

DRK-Ortsverein Emmendingen e.V.
Freiburger Straße 12/1
79312 Emmendingen
Telefon 07641 956700
Telefax 07641 937510

info<at>drk-ortsverein-emmendingen.de

So werden die Notfallnachsorger beim Deutschen Roten Kreuz ausgebildet

20.01.19

Sie werden nach Morden und tödlichen Unfällen gerufen: die Notfallnachsorger des Roten Kreuzes. Peter Zimmermann leitet das Emmendinger Team. Im Interview verrät er, was einen bei dem Job erwartet.

Peter Zimmermann wird von Bettina Sekler-Greul (links) und Karin Starosta (rechts) unterstützt. Foto: Joshua Kocher

BZ: Herr Zimmermann, welche Charakterzüge sollte man haben, um in der Notfallnachsorge arbeiten zu können?
Zimmermann: Am wichtigsten ist auf jeden Fall: Empathie. Man muss sich gut einfühlen, sich als Person zurücknehmen und einfach für die Menschen da sein können. Und natürlich muss man auch was aushalten können. Wir werden schließlich auch nach Mordfällen und anderen Kapitalverbrechen gerufen.

BZ: Kann es hilfreich sein, wenn man selbst mal jemanden verloren hat?
Zimmermann: Das kann schon helfen, es ist aber keine Voraussetzung. Manche Kolleginnen und Kollegen hatten solche Erfahrungen und sind dann zwei oder drei Jahre später zu uns gekommen. Bei akuten Fällen ist es aber problematisch, sich direkt in die Arbeit bei uns zu stürzen. Es gibt Menschen, die wollen hier Depressionen verarbeiten oder das Erlebte aufarbeiten. Da kommt viel zu viel hoch.

Peter Zimmermann (65) ist Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Emmendingen und leitet gemeinsam mit Bettina Sekler-Greul und Karin Starosta das Team der Notfallnachsorge.


BZ: Was wird den Leuten in der Ausbildung beigebracht?
Zimmermann: Egal welche Vor- und Ausbildung man hat: Jeder muss bei uns durch die 80-stündige Schulung. Darin werden unter anderem Grundlagen der Kommunikation und der Psychologie vermittelt. Aber auch – und hierauf legen wir viel Wert –, wie man mit Tod und Trauer umgeht. Der Tod ist der Mittelpunkt. Dabei ist es auch wichtig zu verstehen, wie verschiedene Religionen oder Kulturkreise damit umgehen. Am Ende der Ausbildung gibt es eine Prüfung, mit einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Bei dem praktischen kommt man in einen Raum, in dem Schauspieler eine Trauersituation nachspielen. Da kann man schonmal ins Schwitzen kommen.

BZ: Kann man auch neben einem Vollzeitjob bei der Notfallnachsorge arbeiten?
Zimmermann: Wir haben eine Liste, in die jeder eintragen kann, wann er Zeit hat. Man muss also nicht damit rechnen, jede Sekunde vom Job weggeholt zu werden. Trotzdem decken unsere Mitarbeiter 365 Tage im Jahr ab.

BZ: Wie stellen Sie sicher, dass auch Ihre Kollegen selbst gut mit dem Erlebten umgehen können?
Zimmermann: Wir ziehen prinzipiell immer mindestens zu zweit los. Wenn der Einsatz vorbei ist, reden wir miteinander, gehen am Mittag auch mal einen Kaffee zusammen trinken. Es gibt auch die Möglichkeit, unsere Psychotherapeutin zu treffen. Und jeden Monat versammeln wir uns alle in unserem Raum in der Geschäftsstelle und tauschen uns über das Erlebte aus. Das ist der am besten geschützte Raum im Landkreis.

Das Deutsche Rote Kreuz sucht im Landkreis Emmendingen Frauen und Männer zwischen 23 und 65 Jahren, die in der Notfallnachsorge mitwirken möchten. Ein Infotreffen findet am 22. und 23. Januar in der DRK-Kreisgeschäftsstelle, Freiburger Straße 12, statt. Kontakt: Christine Laufer Tel.  07641/460166.

20.01.19 15:04 Uhr. Alter: 28 Tage